• Ariadne legt verführerische Spuren

    Zu einigen jüngeren politischen Krimis Krimis machen eine gewichtige Abteilung der Bibliothek schema f aus und füllen hier etliche Tablare. Da sind die Klassikerinnen Agatha Christie, Dorothy L. Sayers, Margery Allingham oder die sich allen Schubladen und Einordnungen entziehende Patricia Highsmith. Da ist natürlich auch P. D. James mit dem Buch Ein reizender Job für…

  • Gegen die Wundertäter

    Der unermüdliche Liberale Rudolf Olden «Er hält nichts von Verträgen, Paragraphen oder Verfassung. […] Ja, er hält die Gesetze für verbrecherisch, wenn sie den Schutz der Schwachen bezwecken. […] Der Vorgang, dass der Starke sich selbst Fesseln anlegt, sich durch Geschriebenes bindet, dem Schwachen eine Waffe gibt und sich ihr unterwirft – der Inbegriff der…

  • Aus dem Innern der kommunistischen Bewegung

    Rosa Meyer-Leviné Der Roman A Storm from paradise beschreibt eine Liebesgeschichte kurz vor dem 1. Weltkrieg. Ein schottischer Provinzlehrer wird von der russischen Emigrantin Elizabeth de Pass, die es auf verwickelten Wegen in sein Dorf verschlagen hat, für einen Winter und einen Frühling aus seinem engen, vorgespurten Leben gerissen. Doch er vermag die ihm gebotene…

  • Rote Hefte im Format A5

    Kleine Geschichte der Berliner «alternative» Ihr Name war Programm: Die «alternative» war ab Mitte der 1960er Jahre die wichtigste kritische kultur- und literaturtheoretische Zeitschrift im deutschsprachigen Raum. Sie rekonstruierte marxistische Positionen aus der Weimarer Republik und transportierte nach 68 die französische Literatursoziologie und den Poststrukturalismus nach Deutschland, vor allem auch in seiner marxistischen Variante: Louis…

  • Noch nicht ganz raus

    Natürlich, der Hinflug aus London trifft verspätet ein, aber das ist nichts besonders Neues. Das Swiss-Personal lässt sich nichts anmerken, dass am heutigen Tag der Brexit hätte stattfinden sollen, und dass er nächstens, irgendwie, dann schon noch stattfindet. Landing cards für Nicht-EU-Passagiere hat man ja immer mitgeführt, die sind jetzt einfach ein bisschen aufgestockt worden.…

  • Wie Verschwörungsideologien argumentieren: Neun Denkmuster

    Wer schon einmal das Unglück hatte, mit Verschwörungsgläubigen zu diskutieren, kennt deren Unwille zu einer kohärenten Debatte. Diese Inkompetenz entspringt nicht bloss einem Drang zur Vereinfachung, wie liberale Beobachter*innen gerne lapidar behaupten. Verschwörungsideologische Argumentationen folgen einer perfideren Logik, die sich in ihrer Simplizität für fähig erachten, die unumstössliche Wahrheit über eine omnipotente Verschwörung aufzudecken. Anstatt…

  • Demokratie in der Schweiz: Eine Bewegungsgeschichte von Josef Lang

    Josef Langs „Geschichtsbuch“ erinnert die Demokratiegeschichte der Schweiz mit dem Blick des politischen Zeitgenossen. Anhand der aktuellen egalitären sozialen Bewegungen des Frauen- und Klimastreiks werden die eingelösten, verzögerten, die unabgeschlossen gebliebenen Postulate dargestellt und die politischen Lager von Fortschritt und Reaktion benannt. Die in vielerlei Hinsicht ferngerückten Problemstellungen und Konfliktlinien des 19. Jahrhunderts nicht nur…

  • Stuart Hall: Der Diaspora-Intellektuelle

    «Diasporisch» ist der Begriff, den Stuart Hall für sich gewählt hat. Nicht exiliert, und schon gar nicht assimiliert. Sondern wie der Untertitel seiner autobiografischen Aufzeichnungen sagt: «Ein Leben zwischen zwei Inseln». Diasporische Subjekte gehören als Produkte diverser Historien, Kulturen und Narrative verschiedenen Heimaten an. Die Diaspora entsteht, durchaus prekär, in der Nachwirkung der Kolonialisierung, ist…

  • Im Winde klirren die Fahnen

    Das Werk von Friedrich Hölderlin hat eine grosse und wechselhafte Geschichte hinter sich. Am 21. März hat sich Hölderlins 250. Geburtstag gejährt. Ein paar Gedanken dazu, warum er auch heute noch bewegt. Der Jakobiner und der vor der repressiven Gesellschaft in den Wahnsinn Geflüchtete: Das waren zwei Bilder, mit denen Friedrich Hölderlin (1770–1843) nach 1968…

  • Corona und was schon immer war: Zwischen Reduktion auf Selbsterhalt und Aussetzung ins „nackte Leben“

    Die gesellschaftlichen Effekte der Verbreitung des Coronavirus haben einen apokalyptischen, offenbarenden Charakter. Die Aussage, die immer wieder fällt, ist nüchtern zu handhaben: Apokalyptisch ist eine Situation, in der zum einen offenbar wird, inwiefern die gegebenen Verhältnisse – zumindest für Viele – schon immer die Katastrophe bedeutet haben und in der zum anderen die radikale Frage…

  • Versuch über das politische Urteil angesichts der Angst in konkurrenzgetriebenen Gesellschaften

    «Fürchtet euch nicht!» Erzengel Gabriel Vorbemerkung Dieser Essay erörtert die Grundlagen der existentiellen Angst der Menschen in konkurrenzgetriebenen Gesellschaften; verursacht durch die im Kapitalismus an alle Menschen herangetragene masslose Forderung nach Leistung vor Anerkennung. Die Ängste ernst nehmen? Nicht selten liest man bei politischen Analysten Sätze wie: Ängste werden instrumentalisiert und geschürt oder es wurde…

  • Herbert Rünzi: Mit Marx über Marx hinaus

    Herbert Rünzis umfangreiches Werk wendet sich an Leserinnen und Leser, die an der marxschen Kapitalanalyse interessiert und gleichzeitig offen sind, Neues zu lernen. Es ist kein Werk, das die politische Agitation bzw. den politischen Kampf unmittelbar befördern will. Beabsichtigt ist vielmehr eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der marxschen Analyse. Anhand genauer Lektüre und mit rigoroser intellektueller…

  • Entfremdung in der Falle postfordistischer Ideologie – ein Plädoyer

    Entfremdungskritik ist nach wie vor ein Gegenstand philosophischer und sozialwissenschaftlicher Debatten (Jaeggi 2005; Henning 2015; Rosa 2013; Zima 2014). Während Entfremdung vor allem in den Theorien der modernen westlichen Philosophie wie bei Rousseau, Hegel und Marx eine tragende Rolle gespielt hat, zielen aktuelle Diskussionen um Entfremdung vor allem auf Probleme der subjektiven Verarbeitungsweisen der Menschen.…

  • Nationalismus und lokale Demokratie

    Die Niederlage für Labour ist vernichtend. Statt Boden gut zu machen und den Konservativen unter Boris Johnson zumindest eine absolute Mehrheit zu verwehren, hat die Partei bei den britischen Wahlen gegenüber 2017 nicht weniger als 8,1 Prozentpunkte und 59 Parlamentssitze verloren. Drei Erklärungen werden angeboten. Jeremy Corbyn hat als Leader versagt. Brexit wars. Die Labour…

  • Labours Investitions- und Regenerationsprogramm

    Mit ihrem Wahl-Manifest «It\’s time for real change» versucht die britische Labour Party den Befreiungsschlag aus der Brexit-Falle. Mit einem ökonomischen Investitions- und Regenerationsprogramm sollen die sozialen Verheerungen der Austeritätspolitik und des Neoliberalismus korrigiert werden. Zugleich wird damit versucht, die Debatte vor den Wahlen vom 12. Dezember vom ewigen Brexit-Streit wegzuführen. Es ist eine riskante…

  • Massenpsychologie und Orgonon

    Wilhelm Reichs Verbindung von Sexualität und revolutionärer Politik war eine Pionierleistung. Sie hat, im Widerstreit, sogar Resonanz bis in die Populärkultur gefunden. Und seine kritischen Analysen zum Alltagsbewusstsein sind weiterhin anregend und fruchtbar. Bei der mir vorliegenden Ausgabe zur «Massenpsychologie des Faschismus» muss es sich wohl doch um einen späteren Raubdruck handeln. Obwohl: Das Kleinformat,…

  • Andrew Williams: Die Japanische Rote Armee Fraktion

    William Andrews\‘ Publikation basiert auf Texten, die er ursprünglich im Band Dissenting Japan publiziert hat. Das Buch stellt eine Chronik der Ereignisse dar, die bisweilen summarisch geschildert werden. Die gelegentlich zitierte Fachliteratur auf japanisch mag den meisten zwar nicht weiterhelfen, doch finden sich im Buch auch zahlreiche Verweise auf englischsprachige Texte. Abgesehen von wichtigen Details…

  • Hegemonie und Personenkult

    Der neue britische Premierminister Boris Johnson bedient sich im Instrumentenkasten des Populismus. Man kennt das Muster solcher Charaktermasken mittlerweile auf der ganzen Welt. Doch anhand von Johnson lassen sich neue Facetten zur Auflösung der herkömmlichen Politik wie auch zum Verlust der bürgerlichen Hegemonie studieren. Die volatile Situation ist umso gefährlicher. Labour versucht dagegen zögerlich, ein…

  • Lob der Wiederholung (Tribute to Maureen Kägi)

    Wiedererkennen und Wiederholen Eine der wichtigsten Künste besteht heute darin, die Welt nicht nur staunend wahrzunehmen, sondern sie vielmehr in einer Praxis des Wiedererkennens zu erschliessen. Das Erforschen der Welt bedeutet in dieser Hinsicht nicht das Suchen nach dem noch nie Gesehenen, sondern die Suche nach etwas Bekanntem, das verloren ist. Nach dem Wortlaut des…

  • Gesucht: ein neuer Internationalismus

    Über tausend Protestierende sind in der letzten Woche in London verhaftet worden. Die Extinction Rebellion hatte im Zeichen des Klimanotstands mehrere Tage lang Plätze in der Londoner Innenstadt lahmlegen können, und Greta Thunberg begeisterte die mehrheitlich jugendlichen Massen mit mehreren Auftritten. Die Taktik der Extinction Rebellion hat eine lange, erfolgreiche Tradition in Grossbritannien, eine Mischung…