Archiv

  • Klassismus in der Kita?

    Hamburg . Kita Rabenhorst. Eine junge Familie zieht in den Hamburger Staddteil Wellingsbüttel und dort, auf der Suche nach Betreuung für den Nachwuchs, stösst sie auf die Beschreibung der gesellschaftlichen Wirklichkeit des Stadtteils. Nicht abstrakt, sondern in einer Broschüre des dortigen Kindergartens. Dort wird wahrheitsgemäß beschrieben, dass ein Grossteil der Eltern der lieben Kleinen einer…

  • Karl Reitter: Heinz Steinert und die Widerständigkeit seines Denkens

    Karl Reitter ist ein Philosoph und Marxist, der sich nicht durch gewollte Originalität auszeichnet, sondern durch Präzision des Denkens. Das ist umso bemerkenswerter, als Originalität im akademischen Betrieb (aber beileibe nicht nur dort) zu einer Voraussetzung beruflichen und sozialen Überlebens geworden ist, obwohl sie nichts mehr mit besonderen und überraschenden persönlichen Eigentümlichkeiten zu tun, sondern…

  • Zur Religionskritik von Marx, mit Marx und über Marx hinaus*

    Karl Marx gilt als wichtiger Klassiker der Religionskritik.[1] Das heisst, seine einschlägigen Äusserungen sind sowohl gut zitierbar wie auch vielfältig deut- und verwendbar. Zitierbar ist vor allem der Satz vom Opium: «Religion ist das Opium des Volkes»[2]. Was leistet die Metapher vom Opium? Drogen bringen normalerweise nichts Neues hervor, sie steigern vorhandene Gestimmtheiten, versprechen Möglichkeiten,…

  • Ist Kunst Arbeit oder ästhetische Selbstbefriedigung?

    Auf theoriekritik.ch hat die Gruppe Konverter den Text ‚Kunst, Kultur und Warenform – Rote Fabrik und Reitschule‘ veröffentlicht. Darin werden die Berner Reitschule und die Rote Fabrik in Zürich als Konsumtempel bezeichnet, in der die eigene, widerständige Kultur kommerzialisiert werde. Das Ziel der Gruppe Konverter ist die künstlerische Selbstermächtigung. Dabei kann Kunst nur widerständig sein,…

  • Ueli Mäder: 1968 – Was bleibt?*

    Jede Revolte hat ihre Vorläufer, sucht ihre Anlässe und findet ihren Kulminationspunkt. Auch wenn das Jahr 1968 für eine globale Bewegung steht, eine Welle, die fast überall hinreichte, hatte doch jedes Land seine eigenen Katalysatoren und Betablocker, die dieses verstärkten und jenes abschwächten. Mässigend wirkten in der Schweiz die föderale Struktur, die Doppelidentitäten der Sprachregionen,…

  • Renato Curcio: Das virtuelle Reich. Die Kolonialisierung der Fantasie und die soziale Kontrolle

    Facebook, Google und Amazon sind nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken, Smartphones, Tablets und Laptops ebenso wenig. Diese neuen digitalen Technologien und die Konzerne, die sie verwalten, leiten und kontrollieren immer mehr Aspekte unseres sozialen Lebens – vom Arbeitsplatz über Beziehungsweisen bis zum Konsum. Diesen Veränderungen spürt in seinem neuen Buch ein Autor nach, von…

  • Kunst, Kultur und Warenform – Rote Fabrik und Reitschule.

    „Kultur hat einen Wert.“ „ Kunst ist Arbeit.“ „ Künstler sollen bezahlt werden.“ So lautet der Dreischritt, der immer wieder zu hören ist. Auch jüngst im Zusammenhang mit der Besetzung der Grossen Halle der Reitschule in Bern, welche die Gruppe der „Wohlstandsverwahrlosten“ durchführte. Die Kritik lautet, dass die Kommerzialisierung der (eigenen, widerständischen) Kultur rückgängig gemacht…

  • Er war nicht zum Spaß da

    Ein Jahr war er nun im Gefängnis. Es war ein Jahr zu viel. Deniz Yücel, seit 2015 Türkei-Korrespondent der Welt , davor Redakteur der taz und langjähriger Herausgeber der Wochenzeitung Jungle World . Dem Journalisten wird von der türkischen Justiz «Terrorpropaganda und Volksverhetzung» vorgeworfen. Als Beweise für die Anschuldigungen dienen zwei Beiträge für die Welt…

  • Für ein Theater der Gegenwart

    Was soll ein Theater machen, was macht ein Theater aus in dieser Zeit, wo alles auf Umbruch und Erneuerung drängt, aber tatsächlich Umbruch und Erneuerung das Fundament dessen sind, was nicht vergeht und also die Situation Erneuerung im Stillstand heisst? Was bedeutet das also für ein Theater der Gegenwart? Zur kommenden Aktualität des Theaters als…

  • Dagmar Herzog: Cold War Freud. Psychoanalysis in an Age of Catastrophes

    In jedem historischen Moment erklärt das Machen den Gegenstand (Veyne über Foucault): Dagmar Herzog zeigt in Cold War Freud , dass und wie das für die Geschichte der Psychoanalyse gilt. Schon im Inhaltsverzeichnis wird deutlich: Die Psychoanalyse gibt es nicht. Auf 220 Seiten nimmt Herzog die Plastizität Freudscher Ideen und die damit verbundenen „battles within…

  • Marxforschung: Doppelbiographie zum Leben und Werk von Emmy und Roman Rosdolsky

    Das Leben und Wirken von Emmy und Roman Rosdolsky Das vorliegende Buch ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Es handelt sich um eine seltene Doppelbiografie, die eine große Lücke in der Rezeptionsgeschichte von Emmy und Roman Rosdolsky – einem Pionier der Marx-Forschung – endlich schließt, und zugleich eine Geschichte der Ukraine und des ukrainischen Nationalismus im…

  • Das Zeitalter des Zorns ist 5000 Jahre alt: Ein kulturgeschichtlicher Essay anlässlich von Pankaj Mishras Buch \“Zeitalter des Zorns\“

    In seinem epochalen Werk „Das Zeitalter des Zorns. Eine Geschichte der Gegenwart (Frankfurt/Main 2017) zieht Pankaj Mishra die Parallele zwischen den heutigen Polarisierungen in Politik und Gesellschaft und dem geistigen Klima am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. So erinnert er daran, dass es schon vor hundert Jahren in Frankreich Terroranschläge gegen…