Archiv
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Philipp Löpfe über Daron Acemoglu/James A. Robinson: Warum Nationen scheitern
Ich mag gut geschriebene Bücher, Bücher, die eine Geschichte erzählen. Sie dürfen dick sein, und sie müssen nicht aktuell sein, aber sie dürfen mich nicht mit Zahlen erschlagen oder mich mit Fachjargon erdrücken. Aus diesem Grund habe ich meine liebe Mühe mit deutschen Soziologen und französischen Philosophen. Sigmund Freud hat schliesslich bewiesen, dass guter Inhalt…
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Wolfgang Steiger über Gilles Deleuze/Felix Guattari: Rhizom
Die vielbeschworene Theoriefeindlichkeit ist kein neues Phänomen. Sie nistete zum Beispiel hartnäckig in der 80er-Bewegung. Theorie war geradezu Verrat. Meine Generation (die Generationen jagten sich im Fünfjahrestakt) wollte sich von den 68ern durch die Spontaneität und Phantasie abgrenzen, die diesen mit ihren Politgurus und ihren Ismen abhandengekommen war. Da tauchte unerwartet dieses gut 60-seitige Büchlein…
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Ist China kapitalistisch? Giovanni Arrighi: Adam Smith in Beijing
Für die Mainstream-Medien ist China infolge der Deng-Reformen auf staatskapitalistischem Kurs. Auch die meisten Linken finden, das „Reich der Mitte“ sei endgültig verloren. Stimmt das wirklich? Dieses pauschale Urteil hat mich nie ganz überzeugt. Ich war deswegen neugierig und zugleich erleichtert, als ich das Buch „Adam Smith in Beijing“ von Giovanni Arrighi entdeckt und gelesen…
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FDP und SP als einarmige Banditen
Nachdem der FDP vom ewigen Widerstreit des Liberalismus zwischen kapitalistischem Fatalismus und demokratischem Universalismus in den letzten Jahrzehnten die eine Seite allmählich abhanden gekommen ist (Das sogenannte „Aussterben“ der „echten“ Liberalen.), dürfte es allgemeiner Konsens sein, dass den Part der kulturellen und ethischen Unterfütterung des kapitalistischen Staatswesens mittlerweile die SP übernommen hat. Dass in diesem…
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Maja Tschumi über Silvia Federici: Caliban und die Hexe
Angesichts verschiedener Umstände habe ich im letzten Jahr angefangen, mich intensiver mit der Frage nach meiner Weiblichkeit und meiner Position als Frau in der kapitalistischen Gesellschaft auseinanderzusetzten. Den Auftakt dafür gab neben dem Eintritt in die Arbeitswelt die Erfahrung von Solidarität unter Frauen in einem Frauenboxraum. Mir wurde klar, dass ich mich bisher persönlich wie…
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Das Regenbogenvolk: Schwierigkeiten beim Denken einer Utopie der Revolution. Eine Skizze*
Beim Nachdenken darüber, was für einen spezifischen Beitrag PsychoanalytikerInnen in ihrer Eigenschaft als Staatsbürger zur Erstarkung der Linken leisten könnten, bin ich unlängst auf zwei Themenkreise gestossen (Modena 2012). Zum einen gilt es, dank des fachlichen Wissens über narzisstische Störungen, autoritäre Persönlichkeiten und Massenpsychologie alle demokratischen Kräfte gegen den in Europa galoppierenden Rechtspopulismus und die…
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Die Verharmlosung von Krisenursachen und Staat durch den Gelehrten David Harvey*
Beginnen wir mit dem Positiven: Harvey ist kein akademischer Marxologe und kein kritischer Schmetterlingssammler. Man nimmt ihm ab, dass es ihm um den Umsturz der herrschenden Verhältnisse geht: «Für jede revolutionäre Strategie ist es entscheidend, das Rätsel des Kapitals zu entschlüsseln und durchsichtig zu machen» (234). Um dieses Ansinnen zu unterstützen, untersucht Harvey in seinem…
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Die Stadt für den antikapitalistischen Kampf zurückerobern. David Harvey: Rebellische Städte und Das Rätsel des Kapitals entschlüsseln
Rebellionen in Städten wie Istanbul, Kairo, Madrid oder Sao Paulo bilden den aktuellen Hintergrund des Buchs «Rebellische Städte» des Humangeographen und Sozialtheoretikers David Harvey, das 2012 geschrieben und nun in deutscher Übersetzung erschienen ist. Etwas früher, 2010 (in deutscher Übersetzung 2014), erschien «Das Rätsel des Kapitals entschlüsseln», eine Analyse der Weltwirtschaftskrise von 2007/09, die hier…
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Katrin Meyer über Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter
1990 erschien in den USA das Buch «Gender Trouble» von Judith Butler. Schon ein Jahr später wurde es unter dem Titel «Das Unbehagen der Geschlechter» auf Deutsch veröffentlicht. Das Buch von Butler hat in der Folge eine Generation von feministischen Theoretiker_innen und Geschlechterforscher_innen in den USA und in Europa geprägt. Für mich war das Buch…
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Schwierigkeiten sozial-ökologischer Transformation
Obwohl die ökologische Krise in jüngerer Zeit durchaus politisiert worden ist und auch im herrschenden Diskurs als Problem wahrgenommen wird, scheinen sich die ihr zugrunde liegenden Produktions- und Konsummuster – mit staatlich-politischer Unterstützung (siehe etwa die fossilistischen Energie- und Mobilitätspolitiken) – in den Zentren des Kapitalismus zu verfestigen. Und mehr noch: Sie breiten sich global…
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Holger Schatz über Herbert Marcuse: Triebstruktur und Gesellschaft
Viele meiner Überlegungen zu den repressiven Aspekten moderner Arbeitsideologien sind von Herbert Marcuses Begriff der «zusätzlichen» Herrschaft inspiriert, den er wiederum aus seiner kritischen Auseinandersetzung mit der Triebtheorie Freuds gewonnen hatte. Jenem zufolge entwickele sich Kultur stets im Spannungsfeld zwischen Lust- und Realitätsprinzip: Nur wenn der Aufschub und die Sublimierung unmittelbarer Triebbefriedigung gelinge, könne Arbeit,…
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Elena Louisa Lange über Karl Marx: Das Kapital (Band 1-3)
Das Kapital von Marx ist die Übermutter. Keine linke Theorie, die auch nur einen Funken Anstand hat, das heisst, Gesellschaftskritik betreibt – und ich meine Kritik , und nicht ein bisschen dem Establishment auf die Zehen trampeln wie zum Beispiel Thomas Piketty –, die sich nicht direkt oder indirekt auf das Hauptwerk des Meisters beziehen…
