Archiv
Vor 2025 veröffentlichte Beiträge.
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Zum Innenleben des isolierten und mehrfach exkludierten Individuums
Es soll hier eine kleine Phänomenologie des Zeithofs von mehrfach Exkludierten entfaltet werden. Unter mehrfach Exkludierten sind zu verstehen prekarisierte Individuen, die aus dem Erwerbsprozess herausgefallen sind und auch wenig Hoffnung haben, darin wieder integriert zu werden, die pekuniär sehr limitiert sind und auch auf soziale Nahbeziehungen kaum mehr zurückgreifen können, also zugleich von Isolation…
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Stefan Howald: Volkes Wille? Warum wir mehr Demokratie brauchen
Stefan Howald hat mit seinem Buch „Volkes Wille? Warum wir mehr Demokratie brauchen“ sich einem Thema gewidmet, das heute angesichts des zunehmenden Rechtstrendes, oder als Gegenstück zu der Forderung nach „Professionalisierung“ der Politik an Bedeutung gewinnt. Denn aus der Optik von „Professionalisierung“ und „Rechtstrend“ ist das Volk entweder „rechts“ oder aber muss es durch Fachleute…
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Esteban Piñeiro über Ernesto Laclau/Chantal Mouffe: Hegemonie und radikale Demokratie
Als das Credo der Ausländerintegration das historisch gefestigte Narrativ der Überfremdungsgefahr auf den Kopf stellte, war die Euphorie all jener Kreise gross, die jahrzehntelang auf eine gesellschaftliche und politische Anerkennung der Ausländer gehofft hatten. Die ersten sozialwissenschaftlichen Analysen zur offiziellen Ausgestaltung des Ausländeraufenthalts in der Schweiz beschrieben denn auch einen politischen Emanzipationsprozess – von der…
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Yves Kramer über FelS: Für eine linke Strömung
Ein politisches oder philosophisches Buch, das mein Denken und Handeln geprägt hat? Ich ziehe einige aus dem Regal, stöbere darin, stelle sie wieder zurück. Der Funke will nicht springen. Überall taucht ein „Ja, aber“ auf, das den Rest überstrahlt. Ich komme ins Grübeln. Gerne würde ich der Anfrage nachkommen und über ein Buch schreiben. Aber…
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Schweizer Banken und Common Sense. Zu einer linken Diskurspolitik über den Schweizer Finanzplatz
Wie könnte eine linke Diskurspolitik im Bereich des Finanzsystems aussehen?[1] Ich rekonstruiere zuerst bisherige Auseinandersetzungen in diesem Bereich und analysiere das gegenwärtige öffentliche Image der Banken. Danach diskutiere ich, wie sich für ein kritisch gewendetes Verständnis des Finanzsektors am Alltagsverstand, am Common Sense anknüpfen liesse. Dies versuche ich am Beispiel einer diskursiven Strategie einer linken…
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Jimini Hignett: Mulier Sacer *
Mit mulier sacer werden jene Frauen bezeichnet, die das Bild der Frau als ‹Heilige und Hure› verkörpern. Es sind Frauen, die als Vogelfreie ungestraft getötet werden dürfen, denen als Heilige das Leben aber eben gerade nicht genommen werden kann. Die Autorin Jimini Hignett schliesst sich mit diesem Begriff explizit den Überlegungen Giorgio Agambens und Slavoj…
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Mit Iris von Roten «den Problemen des weiblichen Lebens bis an die Wurzel nachgehen»*
Eine Annäherung an das Werk Frauen im Laufgitter der Schweizer Feministin Iris von Roten und eine Aktualisierung ihrer ökonomischen, ‹sexuell-emotionalen› und politischen Analysen. *** Mit Iris von Roten wird man nicht schnell fertig. Sowohl ihr eigenes Werk Frauen im Laufgitter. Offene Worte zur Stellung der Frau (1958) als auch die historische Aufarbeitung ihrer und Peter…
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Who’s afraid of Teddie? Zur zeitdiagnostischen Aktualität Adornos
Nur wer das Neueste als Gleiches erkennt, dient dem, was verschieden wäre. Theodor W. Adorno Theodor W. Adorno gehört zu den Denkern, die in der Beurteilung der Nachgeborenen zwischen Stuhl und Bank gefallen sind. Den Linken ist er zu elitistisch, den Rechten zu marxistisch; den Konservativen zu kritisch, den «Progressiven» zu verstaubt. Das mag die…
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Die moderne Zivilisation und ihre fünf Basisverhältnisse – aus der Perspektive der Alchemiethese*
Die moderne Zivilisation insgesamt muss im Gegensatz zu ihrer Glorifizierung als beste aller möglichen, die Fortschritt, Entwicklung, Demokratie und Menschenrechte für alle in Aussicht stellt, als „Zivilisation der Alchemisten“ oder „alchemistisches Kriegs-System“ bzw. zunächst als „kapitalistisches Patriarchat“ beschrieben werden. Diese Zivilisation ist dabei, die Welt buchstäblich zu zerstören und befindet sich im Zustand des Scheiterns.…
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Wer von Entscheidungen betroffen wird, soll mitbestimmen können
Wirtschaftsdemokratie soll auch die Defizite der politischen Demokratie aufheben. Dabei geht Mitbestimmung in einer Mitarbeitergesellschaft weiter als eine bloss postulierte neue Wirtschaftsethik. Da die SPS bei Lippenbekenntnissen stehen geblieben ist, sind die Initiativen der JUSO in diesem Feld umso wichtiger. – Ein Diskussionsbeitrag von Willy Spieler zu Romeo Reys Artikel « Wirtschaftsdemokratie – Speerspitzen ins…
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Über das Geniessen in Zeiten des Neoliberalismus*
«Es gibt nach wie vor eine grosse narzisstische Arbeitsteilung, die ich in keinem Gleichstellungsprogramm thematisiert sehe.» – Ein Gespräch mit Tove Soiland über das Geniessen in Zeiten des Neoliberalismus, die patriarchale Dividende und die Psychoanalyse als subversive Praxis. *** Heute werden wir ständig dazu aufgefordert zu konsumieren, unser Leben zu geniessen, uns selbst zu verwirklichen.…
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Achim Szepanski: Kapitalisierung Bd. I und II
Während die Menschen noch immer meinten, sie seien in ihren Entscheidungen frei und autonom – zumindest, wenn sie sich genug selbst reflektieren würden – war dieser kümmerliche Rest an Reflexivität doch nur ein Mittel, um ihnen ein geringes Gefühl an Würde zu lassen, das bei dieser arroganten Spezies nun einmal als Selbsttäuschung nötig ist, um…
