Archiv

  • Ein absurdes Machtspiel zwischen IWF und den europäischen Institutionen auf Kosten von Griechenland

    Am Samstag, dem 29. August interviewte «Le Temps» aus Genf Christine Lagarde, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) und stellte ihr ein paar Fragen zu Griechenland. Der IWF hat seine finanzielle Beteiligung am dritten «Rettungspaket» für Griechenland an die Bedingung geknüpft, dass die Schuldenlast Griechenlands substantiell reduziert werde. Im Interview korrigiert Lagarde das Wort «réduction»…

  • Marxsche Theorie und kritische Soziologie. Acht Thesen zu einer Wahlverwandtschaft*

    Anstelle einer Einleitung: Sozioanalyse Bevor ich mich dem Marxismus im 21. Jahrhundert zuwende, ist es sinnvoll, Sozioanalyse im Sinne Bourdieus zu betreiben. Es geht mir um eine Positionierung im intellektuellen Kräftefeld, die erkennen lässt, wie ich mich der Marxschen Theorie nähere. Als Schüler und Student war ich glühender Sozialist. Bombenteppiche auf Hanoi und der Putsch…

  • Philipp Felsch: Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte 1960-1990

    In den Siebzigern habe sich eine ähnliche Theorie- und Publikationsflut über eine wachsende Leserschaft ergossen wie um 1800, schreibt Philipp Felsch in seiner historischen Aufarbeitung der Theorieaffinität der Zeit zwischen 1960 und 1990. Die Bedingung dafür findet er beide Male in einer veränderten Verlagslandschaft. Während Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts die zunehmende…

  • Gabriele Winker: Care Revolution. Schritte in eine solidarische Gesellschaft

    „Care Revolution“?! Mit dem Begriff „Care“ meint Gabriele Winker Sorgearbeiten – d.h. sich um sich selbst oder sich um andere kümmern. Care meint gleichzeitig auch einen Teil gesellschaftlicher Arbeit in den Bereichen von Hausarbeit, Erziehung, Gesundheit, Pflege, Assistenz, Bildung, Wohnen oder Sexarbeit. Gesellschaftliche Arbeit, die oft unsichtbar ist, meist von Frauen geleistet und häufig nicht…

  • Ariane Tanner über Pierre Bourdieu: «L’illusion biographique»

    «Allgemeine Geschichte»: Nur schon diese Bezeichnung! Wenn ich dieses Fach wählte – so mein zu Beginn des Studiums vor mir selbst verheimlichter und erst später eingestandener Gedanke –, würde ich endlich wissen, erstens, wie alles war, zweitens, wie alles gekommen ist, und demnach, drittens, weshalb alles so ist, wie es ist. Ein Gedanke, der eine…

  • Laurie Penny hat keine Angst vor dem F-Wort. Laurie Penny: Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution *

    Soll sich eine Feministin die Beine rasieren oder nicht? Laurie Penny schreibt dazu: «Der Sturz des Patriarchats wird wahrscheinlich nicht davon abhängen, ob eine Frau einen Netztanga trägt oder sich die Achselhaare wachsen lässt, also bleibt locker. Trefft bewusst Entscheidungen, spielt mit Geschlechterrollen, tragt, was ihr tragen wollt. Feminismus ist mehr als Klamottenstreit erwachsener Mädels,…

  • Warum einige Euroländer von der Krise profitieren

    Die Stabilitäts- und Konvergenzkriterien für die Eurozone, wie sie im Vertrag von Maastricht festgehalten sind, haben zu einer wachsenden Ungleichheit zwischen den Euroländern geführt. Dies ist jedenfalls die Sicht keynesianischer TheoretikerInnen. Eine gute Zusammenfassung solcher Analysen finden sich in einer Besprechung des Buchs von Heiner Flassbeck und Costas Lapavitsas «Nur Deutschland kann den Euro retten»,…

  • Léa Burger über Henri Lefebvre: Die Produktion des Raums

    Existenz findet immer im Raum statt und hat einen Ort: Sowohl physisch-materiell wahrnehmbare als auch mental-geistige Dimensionen von Seinsformen kommen ohne Räumlichkeit nicht aus. Vielleicht gerade deswegen erscheint uns die Kategorie Raum als etwas Selbstverständliches. Während er in den Naturwissenschaften schon lange beobachtet, vermessen und analysiert wird, blieb die Aufmerksamkeit innerhalb der geistes-, kultur- und…

  • Etwas ist faul im Euroland

    Soll der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis des Hochverrats angeklagt werden? Das fordern einige konservative politische Opponenten in Griechenland, und der Vorstoss ist von einigen europäischen Medien begierig aufgegriffen worden. Hintergrund ist die Behauptung, Varoufakis habe noch während der Verhandlungen mit den Institutionen heimlich einen Grexit (Austritt Griechenlands aus der Eurozone) vorbereitet. Varoufakis dementierte postwendend,…

  • Vier Fragen für die Zukunft

    Zuerst zwei Nachträge zum Blog vom 21. Juli: Niederlage und Grexit Daniel Murevar, ein postkeynesianischer kolumbianischer Ökonom mit Beratungsfunktionen in verschiedenen Finanzministerien, 30 Jahre jung, hat ein interessantes Interview zu den Verhandlungen von Syriza mit der EWU gegeben. Er studierte an der Universität in Texas, an der James K. Galbraith und Yanis Varoufakis unterrichten, und…

  • Jüngstes Gericht für Griechenland

    «Jüngstes Gericht für Griechenland», so titelte der «Guardian» am 11. Juli. Und leider ist dies nicht übertrieben. In der Eurogruppe gibt es eine starke Lobby für den Grexit (der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, baltische Staaten, Slowenien und Finnland). Es scheint allerdings, dass ein Grexit für den Gipfel der Eurostaatschefs nicht auf der Agenda steht. Aber…

  • Wie man mit einer schweren Niederlage umgeht

    Alexis Tsipras und sein neuer Finanzminister Efklidis Tsakalotos haben in Fernsehsendungen und vor dem Parlament beide von einer Niederlage geredet, von Kapitulation. In Griechenland geniesst Syriza trotz dieser furchtbaren Kehrtwende zwischen dem Abstimmungs-Nein zum Eurozonen-Diktat und dem Regierungs- und Parlaments-Ja zu einem ebensolchen, schlimmeren Diktat immer noch eine grosse Zustimmung, mehr als bei den Wahlen…