Archiv

  • Landnahme der individuellen und sozialen Reproduktion: eine feministische Perspektive auf die Transformation des Sozialen*

    Der vorliegende Beitrag[1] geht davon aus, dass die in diesem Kompendium verhandelte Transformation der europäischen Wohlfahrtsregime und in der Folge die Neubestimmung der Funktion Sozialer Arbeit nur zu verstehen sind vor dem Hintergrund einer weltweit vor sich gehenden Restrukturierung der individuellen und sozialen Reproduktion, in deren Kontext diese Transformation zu verorten ist. Bereits in den…

  • Den furchtbaren Druck hinwegfegen. Zu Peter Weiss’ 100. Geburtstag: Die Ästhetik des Widerstands lesen, heute*

    Drei Bände, über 900 Seiten – ein Romanessay, der das Fiktionale als Methode im wörtlichen Sinne (nämlich Umweg, zu griechisch meta = hinter und hodos = Weg) nimmt, um das Faktuale zu aktualisieren, um aus der Realität Wirklichkeit zu machen, um mithin die »wirkliche Bewegung« – wie Marx und Engels den Kommunismus bezeichnet haben –…

  • Der Hass auf das Lebendige. Anmerkungen zur Sozialpsychologie des Faschismus – einst und jetzt

    An manchen Abenden … entronnen den Schrecken der Ökonomie … erschauert er, sieht er die Horden der wilden Jagd vorüberziehen … Arthur Rimbaud Eines Tages erzählte mir ein Gefangener, er verspüre gelegentlich Lust, einem Bettler den Hut wegzutreten. Ich war schockiert und begann mich zu fragen, wie es sein kann, dass angesichts der Not eines…

  • Peter Linebaugh, Marcus Rediker: Die vielköpfige Hydra

    Mit dem Erscheinen von Thomas Pikettys stark diskutiertem Buch «Das Kapital im 21. Jahrhundert» ging ein gestiegenes Interesse an der Betrachtung größerer historischer Epochen und Zusammenhänge für das Verständnis der kapitalistischen Produktionsweise einher. Wenn man dieses grundsätzliche Interesse an der longue durée (Fernand Braudel) von geschichtlichen und ökonomischen Abläufen teilt und dabei Themen und konkrete…

  • Bürgerliche Demokratie & Wirtschaftsdemokratie (2/3)*

    Demokratisierung in Zeiten von Globalisierung und Getrumpe. Ein E-Mail-Wechsel zwischen Jürgmeier und Stefan Howald. Zweiter Teil. 10. November 2016 Lieber Stefan Im Gegensatz zu dir habe ich auch in dieser Nacht, die als historisch zu gelten beginnt, doch noch geschlafen, mir – wenn ich sowieso aufstehen musste – kurz den Zwischenstand angeschaut, der mich doch…

  • Pensionskassenfrühling & andere Zukunftsinseln (3/3)*

    Demokratisierung in Zeiten von Globalisierung und Getrumpe. Ein E-Mail-Wechsel zwischen Jürgmeier und Stefan Howald. Letzter Teil. 21. November 2016 Lieber Stefan Lassen wir (vorläufig) die US-Wahlen und ihre, da gebe ich dir natürlich recht, mehrdimensionalen Hintergründe, die uns vermutlich noch länger und nachhaltiger beschäftigen werden als uns lieb ist. Die europäischen «Trumps» stehen längst bereit,…

  • «Demokratie ist eine Praxis» (1/3)*

    Demokratisierung in Zeiten von Globalisierung und Getrumpe. Ein E-Mail-Wechsel zwischen Jürgmeier und Stefan Howald. Erster Teil. 27. Oktober 2016 Lieber Stefan Lass’ uns (wieder einmal) über Demokratie reden. Wir leben in widersprüchlichen Zeiten. Etwas plakativ gesagt: Rechte berufen sich auf die Demokratie, Linke misstrauen dem Volk. Zum Beispiel in der Migrations-, aber auch in der…

  • Wenn in der Schweiz gebaut wird: Eine Geschichte über ein 10-Millionen-Projekt und die Rolle der Wissenschaft

    Wer in der Schweiz grosse Bauprojekte umsetzen will, braucht hierfür die Unterstützung verschiedenster Interessensgruppen. Nicht immer fällt es leicht, sich – als Akteurin oder als Beobachter – im Dschungel möglicher UnterstützerInnen und potentieller GegnerInnen zurechtzufinden. Vielleicht muss man die folgende Geschichte deswegen auch als eine politische Lektion in Sachen Kapitalinteresse, Schweizer Bautätigkeit und kapitalgesteuerter Wissenschaft…

  • Neue Kämpfe um die Zeit. Zu den arbeitszeitpolitischen Debatten bei deutschen Gewerkschaften

    Kämpfe um Zeit sind ein bedeutendes Thema in der Geschichte kapitalistischer Gesellschaften. Für Gewerkschaften als der Vertretung der abhängig Beschäftigten war und ist Zeitpolitik neben Forderungen nach Entlohnung ein zentrales Feld der Auseinandersetzung. Aktuelle gewerkschaftliche Zeitpolitik kann nur im Rahmen der jeweiligen historisch-ökonomischen Verhältnisse verstanden werden, da sie an jene gekoppelt ist. Sie wandelt sich…

  • Die Pluralisierung des Feminismus geht durch mich hindurch*

    1991 ist für mich noch immer eine schillernde Jahreszahl: Sie hat einen Rhythmus und ist von sattem Olivgrün. Es war auch ein Jahr überbordender Erfahrungen: Offiziell feierte man den Mythos Schweiz. Gleichzeitig legten Frauen am Frauenstreiktag all ihre öffentlichen und privaten Arbeiten nieder und feierten eigen- und widerständig. Diese Politik, welche das alltägliche Leben mit…

  • Vorschlag zur Lesbarkeit der Trumpwahl*

    Noch nie gab es eine solche Fülle von Interpretationsmöglichkeiten für die Wahl beziehungsweise Nichtwahl eines amerikanischen Präsidenten. Zu verdanken ist dies der grossen Faktenfreiheit des Wahlkampfs und den, positiv ausgedrückt, rätselhaften Charakteren und vielsagenden Programmen von Clinton und Trump. Darum ist auch nichts davon falsch, was jetzt viele als enttäuschte Freunde des Guten sagen: Dass…

  • Migration ohne Grenzen*

    Migration und ihre gesellschaftliche Bewältigung ist gegenwärtig wohl das umstrittenste politische und diskursive Kampffeld. Seit dem Sommer 2015 stehen Flucht und Migration zuoberst auf der europäischen Agenda. Dass Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben Grenzen überschreiten, ist historische Normalität – genauso wie der Versuch, Menschen je nach Kalkül ganz oder teilweise daran zu…